Angst und Schmerzen - Stress beim Zahnarzt
Veröffentlichung in BDIZ konkret 01.2005 Jahrgang 9 (Journal für die implantologische Praxis):
(von: Dr. Dr. Ralph Taatz)

Patienten mit ausgeprägter Zahnarztphobie stellen in der Praxis ein großes Problem dar. Oft können nur Ruinen beseitigt werden und Folgetermine werden nicht eingehalten.

Auch beim Risikopatienten mit geschwächter Herz-Kreislauf-Situation kann es durch zusätzliche Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin während der Behandlung zur Überforderung der körpereigenen Kompensationsmechanismen und somit zum behandlungsbedürftigen Notfall kommen. Zur Angstausschaltung stehen uns von beruhigenden Worten über Hypnose bis hin zur Vollnarkose wirkungsvolle Mittel zur Verfügung. Die Nutzung einer Vollnarkose bei zahnärztlichen und auch bei zahnärztlich-chirurgischen Eingriffen in der Praxis erscheint allerdings aufgrund des Aufwandes und der möglichen Risiken als unverhältnismäßig. Der Autor wendet seit 1996 Dormicum 5/5 ml (Midazolamhydrochlorid) zur Sedierung oder zur Analgosedierung in Verbindung mit Dipidolor an.

Bei Kindern erfolgt die Applikation intramuskulär. Gute Erfolge mit der Analgosedierung konnten „ bei Spritzenversagern“ erzielt werden. Mit der oralen Gabe von Midazolam stellten sich keine zufriedenstellenden Ergebnisse ein. Besonders bei Kindern waren die Resultate aufgrund der schlechten Dosierbarkeit und paradoxer Reaktionen unbefriedigend. Midazolam ist ein Vertreter der Imidabenzodiazepine und zeichnet sich durch raschen Wirkungseintritt und kurze Wirkdauer aus. Dormicum wirkt sedierend und anxiolytisch . Die Wirkung nach intavenöser Applikation tritt schon während der Injektion ein. Der Wirkstoff wird nach raschem Wirkungseintritt schnell in der Leber metabolisch inaktiviert. Die Halbwertszeit von Dormicum beträgt etwa 90 Minuten. Die anxiolytischen Eigenschaften erweisen sich im Vergleich zu Diazepam ( Valium) als potenter. Die Verteilungsvorgänge laufen im Vergleich zu Valium zehnmal schneller ab. Die allgemeine Verträglichkeit des Medikamentes ist ausgezeichnet. Komplikationen oder Wirkungsversager traten in unserer Praxis bei etwa 350 Anwendungen nicht auf. Änderungen der Herzfrequenz, des Blutdrucks, der Atmungsfrequenz und der Sauerstoffsättigung (Pulsoxymeter) konnten nicht festgestellt werden. Die Patienten fühlten sich nach den operativen Eingriffen entspannt. Als Vorteil gegenüber Diazepam kann auch die Reizlosigkeit an Einstichstelle und den Venen erwähnt werden. Natürlich muss vor der Anwendung von Dormicum eine gründliche Anamnese vorausgehen. Bei kritischer Auswahl der Patienten und bei Beherrschung der intravenösen Injektionstechnik kann die Sedierung bei Nutzung eines Pulsoxymeters zur Kontrolle der Pulsfrequents und der Sauerstoffsättigung vom Operateur durchgeführt werden. Nicht indiziert ist die Gabe von Midazolam bei einer respiratorischen Insuffizienz und bei möglicher Exazerbation einer akuten Psychose bei Einnahme von Psychopharmaka. Ebenfalls wird vom Hersteller von der Anwendung bei Patienten mit Glaukom gewarnt. Der Patient sollte genauestens über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt werden und eine entsprechende Unterschrift leisten. Frühestens drei Stunden nach Injektion kann der Patient mit Begleitperson entlassen werden. Wie auch nach einer Lokalanästhesie soll der Patient in der Praxis nach der Gabe eines Sedativums nicht ohne Beobachtung bleiben. Als Antidot für sämtliche Benzodiazepine steht Anexate 0,5 (Flumazenil) zur Verfügung. Der Wirkungseintritt bei der intravenösen Gabe von Anexate erfolgt etwa nach einer Minute. Die Wirkungsintensität muss aufmerksam beobachtet werden. Treten wiederholt unerwünschte Nebenwirkungen (Atemdepression) auf, so muss nachgespritzt werden. Zusammenfassend soll betont werden, dass der Patient mit zwanghaften Angstzuständen, welche die Behandlung erschweren oder unmöglich machen, unserer Hilfe besonders bedarf. In diesem Zusammenhang kann die intravenöse beziehungsweise intramuskuläre Sedierung mit Dormicum als die größte Innovation im Bereich der Angst- und Schmerzausschaltung in der Zahnheilkunde genannt werden.

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